Fotografische Plaudereien aus der Dunkelkammer

die Anfänge


Wie alles begann: Im Wäschekorb aus der beengten Wohnung in ein neues Zuhause. Mein Bruder beendte bald danch die Schule und begann eine Ausbildung zum Chemotechniker.Seine kreativen Experiment sich mit Zitronensaft und rienem Alkohol ein paar Drinks zu mixen, kam bei den andern Schülern gut an, die Lehrkräfte waren weniger begeistert. Schließlich weckte er bei mir das Interesse an Chemie, als er mit unserem Onkel, der gleichaltrig mit meinem Bruder war, Kaliumchlorat mit rotem Phosphor mischte und durch Fernzündung mit einem Besen die Mischung zur Detonation brachte. Es war eine Radikalenthaarung für den Besen, dessen Haare unsere Mutter slebst in der Speisekammer wiederand. Der Knall begeiserte mich, danach nahm mein Bruder Abschied von dieser Schule und wendete sich der Fotografie zu. Der Keim für die Chemie war bei mir gelegt worden. Während der  Ausbildung zum Fotografen wurde ich eines seiner wichtigsten "Models". Bei dem Frühstück auf dem Balkon lässt sich der kleine "Genussmensch" nicht verleugnen. Veganen Linksliberalen zum Trotz schätze ich bis heute den Fleischgenuss und das Frühstücksei besonders. Damit bin ich als reaktionärer alter weißer Mann enttarnt. Macht nix.

Rechts ist das neue Gemäuer zu erkennen und unsere neue Wohnung befand sich unter einer der Blechhauben, die leider nicht mehr wasserdicht waren und es regnete durch. Die unter uns residierenden Damen, die Mutter war eine Frau Doktor Schlampke, den Titel hatte sie vom Mann geerbt, der verschollen war. Sie war halt eine spezielle Mutter deren Töchter sich für die Truppenbetreuung  unserer "amerikanischen Freunde" engagierten. Streng getrennt nach Hautfarbe war jeweils nur eine Tochter für den interessierten Soldaten zuständig. Auch sie ließen wir an dem Durchregnen teilhaben. Mein Bruder wollte Fotos wässern und ließ die Badewanne vollaufen, während er dabei einschlief. Meine Wenigkeit ärgerte sich über den nächtlichen Lärm der unter uns "Rummachenden" und goss eifrig Wasser aus dem Blumengießkännchen durch die Parkettritzen.



Das ursprüngliche Foto wurde digital nachbearbeitet. Mit der Funktion "Kanten finden" entstand eine Isohelie, früher benutzte amn den Film Agfa-Contur dafür. Über das Original gelegt und beide Ebenen abgeglichen ergaben nach Tonung dieses Bild.Die Drähte im Bild sind die Oberleitungen der Straßenbahn.



Kein Wunder, dass jemand übermüdet einschläft, wenn man nächtens in Jazz-Clubs unterwegs ist, um das schmale Lehrlingsgehalt mit Fotoreportagen aufzubessern.
Links ist die "Storyville-Jazzband in der "Eierschale, ganz rechts am Bühnenrand Toby Fichelscher
rechts:
Jazz Session am Grunewaldturm zum Vatertag, Berlin anno 1958, links Posaunist und Bandleader Michael Schreiber,  Bildmitte Hans-Rainer "Caruso" Sarkander mit Hut, dem Betrachter den Rücken zuwendend Toby Fichelscher, Pianist und Jazz-Sänger, dessen turbulentes Leben verfilmt wurde und auf der letzte Berlinale als Film präsentiert wurde.

Diese Fotos sah ich im Entstehen, wie unter dunkelgrünem Licht in der Entwicklerschale erste Konturen entstanden und ich durch Bewegen am Ende das fertige Positiv bewundern konnte. Der Bruder griff zur Zange und sofort landete das Bild im Unterbrecherbad, bis es nach dem Fixierbad in jene Badewanne kam. Die anschließende Trockenpresse hatte durch eine weitere Schlafattacke meines Bruders deutliche Brandspuren auf den Fußbodenbrettern hinterlassen. Schritt für Schritt wuchs ich so in die Dunkelkammertechnik hinein.



Die erste Kamera war eine Dacora 66 für Rollfilme. Damit unternahm ich die ersten Schritte, die Motivwahl war natürlich einem  zwölfjährigen Jungen entsprechend. Ein beliebtes Ausflugsziel meiner Familie war die Pfaueninsel. bei einer Schlossführung durfte ich sogar auf dem Spinett der Königin Luise vorspielen. Stolz geschwellt verließ ich die königliche Hütte, doch mit der Pianistenkarriere klappte es nicht. Dafür entstand an diesem Tag das rechte Foto. (Scan des Fotos, das Negativ ist nicht mehr vorhanden.)

Drei Jahre später sieht die Bildgestaltung schon etwas besser aus. Die Kamera ist nun eine EXA I A des VEB Ihagee Dresden. Ein Geschenk meines Bruders, der auch mit dieser Kamera seine Laufbahn begonnen hatte, aber während der Ausbildung sich eine Exacta Varex II B  zulegen musste. Für unsere Familie eine fast unerschwingliche Anschaffung, selbst wenn jene noch in Ostberlin gekauft werden konnte. Seine Tätigkeit als Kameramann bei dem SFB bescherte mir bis zur vollständigen Umstellung auf spezielle Farbumkehrfilme, einige Rollen mit Filmresten. So fielen schnell 10 - 30 m Abschnitte an. Bei einer Kleinbildfilmlänge von ca. 1,60 m konnte ich daraus viele Filme gewinnen. Da man für das Fernsehen bei Innenaufnahmen hochempfindliches Material brauchte, verwendete ich meist Kodak Plus-X, Double-X oder Tri-X Filme mit 21°DIN, 23° DIN bzw. 27°DIN (100, 200,400 ASA). Entwickelt wurde meist mit Agfa Rodinal. Auf diesen Entwickler schwörten gestandene Fotografen, obwohl es kein Feinkornentwickler war.


Zur Konfirmation gab es dann einen Elektronenblitz und zwei Objektive. Das berühmte Meyer-Görlitz Lydith mit 30mm Brennweite und damals das gut bewertete Tele-Ennalyt mit 135 mm Brennweite. Ein stärkeres Tele war schon problematisch, denn der besondere Verschluss der EXA IA bewirkte bei langen Brennweiten eine Vignettierung am oberen Teil des Negativs. Also engte es die Bildhöhe ein. Die Nachfolgemodelle wie EXA II 2 B besaßen dann schon den Tuchverschluss. Diese Art des "laufenden Schlitzes" zwischen zwei Tüchern ist aber nicht das Gelbe vom Ei. Diese Verschlussart ist sehr empfindlich und störanfällig. Das hat sich bis zu den letzten Modellen der Mittelformatkameras wie Exacta66 nicht geändert. Die Exa IA begleitete mich dagegen über 20 Jahre. 

Die große Schanze war einst der Stolz Altenaus (Oberharz). Dort wurden die großen Turniere  bis in die Siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts ausgetragen. 1967 wurde der Treppenaufgang mit Holz verkleidet und der Turm auf 28m erhöht. Rechts im Bild das "Treppenhaus" aus der Froschperspektive. Hier kam das Weitwinkelobjektiv zum Einsatz. Wegen der stürzenden Linien, die im umlaufenden Viereck nicht zu entzerren sind, wurde ein passender Ausschnitt gewählt. Es war die Grafik, hervorgerufen durch Licht und Schatten, welche das Foto so interessant machte. Zu dieser Zeit begann meine Vorliebe für Strukturen und grafische Effekte - ganz im Sinn des Zeitgeistes.


Neben dem Hang zur Grafik machte sich eine andere Leidenschaft in der Fotografie bemerkbar. Der "Eisenbahnfimmel". Einst angeregt durch Onkel August, den die Leser vielleicht schon aus dem Text: "Zwei mal Ostkreuz Preisstufe 2" schon kennen, waren Eisenbahn- und Gleismotive für Jahre sehr beliebte Fotomotive.

Damals belächelt, sind diese Fotos heute Zeitzeugen geworden. Da es aber viele Hobby-Eisenbahner gibt, ist Bildmaterial reichlich vorhanden. Doch es muss auch gepflegt werden, wenn es nicht nur nostalgische Erinnerung bleiben will. Vom Schrebergarten der "Uroma" meines Freundes Frank konnten wir es kaum erwarten, wenn der Zug kam. Er fuhr nicht schnell, so dass leider auch einige Jungen es schafften aufzuspringen und bis zum Schönower Wäldchen mitzufahren. Debei verunglückter einer dieser Schwarzfahre und hatte seitdem nur noch ein Bahn. Eine teure Fahrkarte für zwei Kilometer Strecke.
 


Die Goerzbahn, ein Industriegleis, welches vom Bf. Lichterfelde-West abzweigte und längs des Dahlemer Wegs ein wenig von ländlichem Flair in dieser eingeschlossenen Großstadt vermittelte. Sie bediente einige Werke, auch das am Teltowkanal gelegene Goerzwerk für photochemische Produkte, später wurde die Filmfabrik von "Zeiss-Ikon" übernommen. Die neuen Produkte waren Kameras wie die  Contina, Contaflex, Contessa oder das Rollei Konkurrenzprodukt "Ikoflex" mit Zeiss-Tessar. Sie waren zu dieser Zeit weit verbreitet. Dieser Zug mit der Reichsbahn V60 Lok ist mit Fahrzeugen für den VW-Händler "Eduard Winter" beladen. Es handelt sich den Typ VW 1500.



Die S-Bahn fährt auf der Strecke der "ersten preußischen Eisenbahn" zwischen Potsdam und Berlin. Der Zugverkehr wurde 1950 eingestellt. Bis 1945 verkehrten hier die S-Bahnzüge vom Typ "Olympia" als sogenannte "Bankierzüge". Sie fuhren teilweise mit v=120 km/h mit Halten nur in Zehlendorf und im Potsdamer Bahnhof.  Bis 1980 verkehrte hier nur die "Stummelbahn" zwischen Düppel-Kleinmachnow und Zehlendorf. Unmittelbar an der Grenze zur DDR gelegen war gegenüber dem Bf. Düppel über dem alten Gleis und der Straße nach Klein-Machnow 1961 eine längeres Mauerstück errichtet worden. Sonst wurden die Stadtrandgrenzen eher durch Stacheldraht- und dem typische Grenzzäune gesichert. 

Die Aufnahme zeigt einen Viertelzug der ehem. Baureihe  E165 bei dem Überfahren des beschrankten Bahnübergangs Clauert- Berlepschstraße. Im Hintergrund die typische Architektur der "Sechziger Jahre", als solche Neubauwohnungen hochbegehrt waren. Bis zum Jahr 1989 sollten fast sämtliche Ödlandsflächen bebaut werden - damit verschwanden unsere auch Spielplätze.
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