Frühlingsimpression bei Verdun (1991)

obus & bone pret Fleury

                    Foto: © by Stephan Ebers




Dunkle Gräber

von Friedrich - Wilhelm Schnurz

(Bunkerschreiber zur Innerste)

 

Dort unter dem Efeu

liegt begraben stolze Männertreu‘

dreiunddreißig Gymnasiasten

sie rasten

auf dem Weg zur Ewigkeit

nur eine kurze Zeit.

 

Vor den Toren Bunzes

lauerte der Feind

nicht nur bei Kunzes

wurde um die Helden geweint.

und die Schüler nehmen die Gewehre

laufen auf das Feld der Ehre

mit des Pastors Segen

dem Feind entgegen.

 

Es sirren die Granaten,

der Tod schwingt seinen Spaten.

Vor des Hauses Tür

steht ein Offizür

ruft laut: „Verraten!

Heut‘ gab‘s wieder Schweinebraten!

Friede muss her.

Es lebe der Aal am Speer!“

 

Als die Sonne tauchte

und der Letzte seinen Geist aushauchte,

war der Feind geschlagen.

Leer wie des Offizieres Magen.

Beendet war das Morden

Oberst Wede kriegte einen Orden.

Zur großen Siegesfeier

reicht man hartgekochte Eier.

 

Mit Musike ohnegleichen

verschwanden dreiunddreißig Leichen

in ihrer letzten Ruhestätte.

Nun faulen sie um die Wette.

Geblieben ist die Ehre

und ihr Knallkorkengewehre.

 

Dunkle Gräber

- nur Knochen blieb vom Streber.

                                                                                           

 

 

aus: „Sorgenferns Algenlieder - Gesänge aus Bunze“,

Autorenkollektiv: S.G. Ebers & P.B. Kempa, im August 1980